Die Antwort der KRINKO ist eindeutig: Aus Gründen der Hygiene und Infektionsprävention ist warmes Wasser an medizinischen Handwaschplätzen nicht erforderlich. Die Änderung betrifft ausschließlich die Wassertemperatur. Die übrigen Aussagen der bestehenden KRINKO-Empfehlung „Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens“ bleiben bestehen. 32_26
Hintergrund: Änderung der TRBA 250
Die bisherige KRINKO-Empfehlung verwies bei der Ausstattung medizinischer Handwaschplätze auf die damals geltende Fassung der TRBA 250 „Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitsdienst und in der Wohlfahrtspflege“. Diese forderte für Handwaschplätze einen Zulauf für warmes und kaltes Wasser.
In der inzwischen aktualisierten TRBA 250 wurde diese konkrete Forderung geändert. Dort heißt es nun, dass Beschäftigten leicht und schnell erreichbare Handwaschplätze mit fließendem Wasser in Trinkwasserqualität, Spendern für Hautreinigungsmittel und Einmalhandtüchern zur Verfügung gestellt werden müssen. Eine Verpflichtung zur Bereitstellung von Warmwasser enthält diese Regelung nicht mehr. 32_26
Die KRINKO begrüßt den Wegfall der bisherigen Warmwasserforderung ausdrücklich. Ihr Fazit lautet, dass die Ausstattung medizinischer Handwaschplätze mit warmem Wasser aus Gründen der Hygiene und Infektionsprävention nicht erforderlich ist. 32_26
Die konkrete Empfehlung wurde als Kategorie II eingestuft:
Ein medizinischer Handwaschplatz soll über einen Zulauf für kaltes Wasser in Trinkwasserqualität verfügen; warmes Wasser ist nicht erforderlich. 32_26
Wassertemperatur hat keinen relevanten Einfluss auf die Keimreduktion
Die wissenschaftliche Begründung ist für die hygienische Bewertung besonders wichtig. Nach Darstellung der KRINKO sind die Auswirkungen der Wassertemperatur auf eine wirksame Reduktion von Krankheitserregern an den Händen zu vernachlässigen.
Auch experimentelle Untersuchungen zeigten beim Vergleich von kaltem und warmem Wasser keinen relevanten Unterschied bei der Entfernung von Escherichia coli. Entscheidend sind vielmehr andere Faktoren, insbesondere die Dauer des Händewaschens, die angewandte Technik, die Qualität des Wassers sowie das verwendete Handwaschpräparat. 32_26
Weitere Untersuchungen aus den Jahren 2002, 2017 und 2024 bestätigten nach Darstellung der KRINKO, dass warmes Wasser gegenüber kaltem Wasser keinen signifikanten Vorteil bei der Abreicherung von Mikroorganismen bietet. 32_26
Damit entfällt eine hygienische Begründung dafür, medizinische Handwaschplätze allein aus Gründen der Infektionsprävention zwingend mit Warmwasser auszustatten.
Händedesinfektion bleibt die entscheidende Maßnahme
Die Änderung darf nicht zu dem Missverständnis führen, dass Händewaschen nun eine größere Bedeutung als die hygienische Händedesinfektion erhält.
Die KRINKO stellt ausdrücklich klar, dass die hygienische Händedesinfektion die wichtigste Einzelmaßnahme der Händehygiene in der medizinischen und pflegerischen Versorgung bleibt. Händewaschen ist nur bei bestimmten Indikationen zusätzlich erforderlich. Genannt werden beispielsweise der Beginn eines Operationstages oder bestimmte Situationen bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Clostridioides difficile. 32_26
Das Waschen der Hände dient vor allem der mechanischen Reinigung, beispielsweise bei sichtbaren Verschmutzungen, nach Toilettenbenutzung oder zur Entfernung bestimmter widerstandsfähiger Erregerbestandteile. 32_26
Für die hygienische Überwachung bedeutet dies: Ein Handwaschplatz darf nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist das gesamte Konzept der Händehygiene einer Einrichtung.
Warmwasser bleibt möglich
Die neue Empfehlung bedeutet ausdrücklich kein Verbot von Warmwasser.
Einrichtungen können medizinische Handwaschplätze weiterhin mit warmem Wasser ausstatten. Die KRINKO spricht vielmehr von einem Gestaltungsspielraum für Betreiber und Anwender. 32_26
Dieser Punkt ist insbesondere für bestehende Einrichtungen wichtig. Aus der neuen Empfehlung folgt nicht, dass vorhandene Warmwasseranschlüsse zwingend zurückgebaut werden müssen.
Auch der Komfort kann weiterhin eine Rolle spielen. Eine angenehme Wassertemperatur kann die Bereitschaft zum Händewaschen fördern. Die KRINKO verweist darauf, dass beispielsweise die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege für das Händewaschen lauwarmes Wasser empfiehlt. 32_26
Hautschutz spricht eher gegen hohe Wassertemperaturen
Die Wassertemperatur ist auch aus Sicht des Hautschutzes relevant.
Wiederholter Kontakt der Hände mit höheren Wassertemperaturen kann Hautirritationen begünstigen. Diese wiederum können sich negativ auf die Umsetzung der hygienischen Händedesinfektion auswirken. Die KRINKO weist außerdem darauf hin, dass der Verzicht auf Warmwasser das Risiko versehentlicher Verbrühungen reduzieren kann. 32_26
Damit zeigt sich: Mehr Wärme bedeutet nicht automatisch mehr Hygiene. Unter Umständen kann eine höhere Wassertemperatur sogar unerwünschte Auswirkungen auf die Hautgesundheit haben.
Auch Trinkwasserhygiene und Legionellen sind zu berücksichtigen
Für Hygienekontrolleurinnen und Hygienekontrolleure ist besonders der trinkwasserhygienische Aspekt interessant.
Die KRINKO führt aus, dass der ausschließliche Betrieb mit Kaltwasser das Risiko für das Vorhandensein, die Vermehrung und die Kreuzkontamination mit Legionella spp. reduzieren kann. Auch eine Erwärmung von Kaltwasserleitungen durch parallel geführte Warmwasserleitungen kann bei einer entsprechenden Leitungsführung vermieden werden. 32_26
Für den Bestand ist allerdings Vorsicht geboten: Werden vorhandene Warmwasserleitungen nicht mehr oder nur noch selten genutzt, kann gerade diese verringerte Nutzung neue hygienische Probleme schaffen.
Die KRINKO fordert deshalb, bei einer Nicht- oder Mindernutzung bestehender Warmwasserzuläufe die regelmäßige Spülung dieser Leitungen in einen einrichtungsinternen Water-Safety-Plan aufzunehmen. Alternativ kann ein fachgerechter Rückbau der nicht mehr benötigten Warmwasserleitungen geprüft werden. 32_26
Damit ist klar: Einfach den Warmwasseranschluss stillzulegen, ohne die Trinkwasserinstallation zu betrachten, wäre keine fachgerechte Lösung.
Ressourcenverbrauch und Kosten
Auch ökologische und wirtschaftliche Aspekte werden von der KRINKO aufgegriffen.
Der Verzicht auf eine generelle Warmwasserbereitstellung kann Energieverbrauch, CO₂-Emissionen und Betriebskosten reduzieren. Als Beispiel nennt die KRINKO ein Krankenhaus mit 100 Händewaschvorgängen pro Tag. Würden diese über ein Jahr ausschließlich mit kaltem Wasser durchgeführt, könnten nach der zitierten Berechnungsgrundlage je nach Energieversorgung etwa 1,5 bis 2,1 Tonnen CO₂ pro Jahr eingespart werden. 32_26 32_26
Dieser Aspekt ist jedoch als ergänzender Nutzen zu verstehen. Entscheidend für die Änderung der Empfehlung ist die infektionshygienische Erkenntnis, dass warmes Wasser für die Wirksamkeit des Händewaschens nicht erforderlich ist.
Achtung: Andere Regelwerke können weiterhin Warmwasser verlangen
Für die Praxis der hygienischen Überwachung ist eine wichtige Abgrenzung erforderlich.
Die neue KRINKO-Empfehlung bezieht sich ausdrücklich auf medizinische Handwaschplätze. Für andere Bereiche einer Einrichtung können weiterhin andere Anforderungen gelten.
So fordert die ASR A4.1 „Sanitärräume“ für Wasch- und Duschplätze grundsätzlich fließendes warmes und kaltes Wasser in Trinkwasserqualität. Für Toilettenräume ist Warmwasser dagegen nur bei Bedarf vorgesehen. Die KRINKO weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich hierbei nicht um spezielle Ausstattungsvorgaben für medizinische Handwaschplätze handelt. 32_26
Für die Beurteilung im Rahmen einer Begehung muss deshalb immer zunächst geklärt werden, welche Funktion der jeweilige Handwaschplatz besitzt und welches Regelwerk auf diesen Bereich anzuwenden ist.
Was bedeutet die Änderung für Hygienekontrolleurinnen und Hygienekontrolleure?
Für die Überwachungspraxis ist insbesondere Folgendes relevant:
Ein fehlender Warmwasseranschluss an einem medizinischen Handwaschplatz ist nach der aktuellen KRINKO-Empfehlung und der aktuellen TRBA 250 nicht allein deshalb als hygienischer Mangel zu bewerten.
Im Rahmen der Begehung sollten stattdessen unter anderem die Erreichbarkeit und Funktion des Handwaschplatzes, die Trinkwasserqualität, geeignete Hautreinigungsmittel, Einmalhandtücher, Händedesinfektionsmöglichkeiten sowie die Einbindung in das Hygiene- und Händehygienekonzept der Einrichtung betrachtet werden.
Gleichzeitig muss zwischen medizinischen Handwaschplätzen, Sanitärräumen, Waschplätzen und anderen betrieblichen Bereichen unterschieden werden. Je nach Nutzung können unterschiedliche technische Regeln oder arbeitsschutzrechtliche Anforderungen gelten.
Besondere Aufmerksamkeit ist erforderlich, wenn bestehende Warmwasserleitungen außer Betrieb genommen oder nur noch selten genutzt werden. In diesem Fall muss die Trinkwasserhygiene der gesamten Installation berücksichtigt werden.
Fazit
Die Änderung der KRINKO-Empfehlung schafft für die Praxis eine wichtige Klarstellung: Ein medizinischer Handwaschplatz benötigt aus hygienischen und infektionspräventiven Gründen keinen Warmwasseranschluss.
Nicht die Temperatur des Wassers entscheidet über die hygienische Wirksamkeit des Händewaschens, sondern unter anderem die Dauer, die richtige Technik, die Wasserqualität und die eingesetzten Handwaschpräparate. Gleichzeitig bleibt die hygienische Händedesinfektion die zentrale Maßnahme zur Unterbrechung von Infektionsketten.
Für Hygienekontrolleurinnen und Hygienekontrolleure bedeutet dies vor allem, bestehende Prüfkriterien und Checklisten zu überprüfen. Eine pauschale Forderung nach Warm- und Kaltwasser an jedem medizinischen Handwaschplatz entspricht nicht mehr dem aktuellen Stand der KRINKO-Empfehlung und der TRBA 250.
Quelle:
Kommission für Infektionsprävention in medizinischen Einrichtungen und in Einrichtungen und Unternehmen der Pflege und Eingliederungshilfe (KRINKO) beim Robert Koch-Institut: Änderung der Empfehlung „Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens“ bezüglich der Temperatur des Wassers an medizinischen Handwaschplätzen. Epidemiologisches Bulletin 32/2026, veröffentlicht am 6. August 2026.